Euskirchen – 157 Anmeldungen. Eine ausgebuchte Ideenfabrik. Und ein Abend, der einmal mehr gezeigt hat, dass gute medizinische Versorgung nicht allein von Fachwissen, sondern auch vom persönlichen Miteinander lebt. Mit der zweiten Auflage des Euskirchener Ärztedialogs hat das Deutsche Rote Kreuz im Kreis Euskirchen an den Erfolg seiner Premiere angeknüpft. Ärztinnen und Ärzte aus Praxen und Kliniken, Medizinstudierende und weitere Akteure aus dem regionalen Gesundheitswesen kamen in der Alten Tuchfabrik zusammen, um sich fortzubilden, Erfahrungen auszutauschen und vor allem miteinander ins Gespräch zu kommen.
Für die beiden Gastgeber Alexander Schiffmann, Leiter der DRK Rettungsdienst-Akademie Euskirchen, und Frank Gummelt, DRK-Kreisverbandsarzt und Vorsitzender der Kreisstelle Euskirchen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein (KVNO), war der Abend ein weiterer Meilenstein in der Entwicklung des noch jungen Veranstaltungsformats.
„157 Anmeldungen. Das muss man sich erst einmal vor Augen führen“, freut sich Schiffmann. „Als wir vor einem guten halben Jahr den ersten Ärztedialog veranstaltet haben, wussten wir nicht, ob unsere Idee überhaupt angenommen wird. Heute haben wir nicht nur eine zweite ausgebuchte Veranstaltung erlebt, sondern eine Resonanz, die unsere Erwartungen noch einmal übertroffen hat. Ich glaube, wir haben mit diesem Format wirklich einen Nerv getroffen.“
Dass das Deutsche Rote Kreuz die Initiative für dieses Veranstaltungsformat ergriffen hat, ist dabei kein Zufall. Der DRK-Kreisverband Euskirchen übernimmt in zahlreichen Bereichen Verantwortung für die Gesundheit und das Wohlergehen der Menschen in der Region. Mit seiner Rettungsdienst-Akademie bringt er medizinische Fachkompetenz ein und schafft mit dem Ärztedialog zugleich einen Raum, in dem unterschiedliche Akteure des Gesundheitswesens zusammenfinden können.
„Als Rotes Kreuz tragen wir Verantwortung für die Menschen in unserer Region. Und diese Verantwortung endet für uns nicht bei den Aufgaben, die wir selbst unmittelbar übernehmen“, erklärt Schiffmann. „Wenn wir dazu beitragen können, dass sich die Menschen, die unsere Gesundheitsversorgung gestalten, besser kennenlernen und enger zusammenarbeiten, dann ist das für uns ein ganz konkreter Beitrag zu einer besseren Versorgung.“
Herzinsuffizienz im Fokus
Inhaltlich drehte sich bei der zweiten Auflage alles um das Herz. Genauer gesagt um die Herzinsuffizienz, eine Erkrankung, die Ärztinnen und Ärzte aus unterschiedlichen Versorgungsbereichen gleichermaßen beschäftigt.
Dabei hatten sich die Veranstalter gemeinsam mit ihren Referenten etwas Besonderes überlegt: Statt drei voneinander unabhängiger Fachvorträge begleitete das Publikum einen gemeinsamen Patienten durch die unterschiedlichen Stationen seiner medizinischen Versorgung.
Den Anfang machte Stephan Henrich mit der hausärztlichen Perspektive. Unter dem Titel „Herzinsuffizienz zuerst beim Hausarzt: früh erkennen, richtig steuern und wissen, wann es weitergehen muss“ ging es um die frühzeitige Erkennung der Erkrankung, erste therapeutische Entscheidungen und die Grenzen der hausärztlichen Versorgung.
Anschließend übernahm Prof. Dr. med. Carsten Zobel vom Marien-Hospital Euskirchen den Patienten gewissermaßen auf der nächsten Station seines Behandlungsweges. Sein Vortrag „Wenn die Herzinsuffizienz kippt: akut stabilisieren und heute schon die Weichen für morgen stellen“ beleuchtete die klinische Versorgung bei einer akuten Verschlechterung und die Bedeutung frühzeitiger Therapieentscheidungen für den weiteren Verlauf.
Dr. med. Michael Faßbach führte die Geschichte schließlich aus der Perspektive der ambulanten Kardiologie fort. Unter dem Titel „Herzinsuffizienz langfristig im Griff: Therapie weiterführen, optimieren und Stabilität sichern“ stand die Frage im Mittelpunkt, wie eine erfolgreiche Stabilisierung in eine nachhaltige Langzeitbehandlung überführt werden kann.
Angeregte Podiumsdiskussion
Wie diese Übergänge im Alltag gelingen können und wo es noch Herausforderungen gibt, stand anschließend im Mittelpunkt einer gemeinsamen Podiumsdiskussion.
Alle drei Referenten kamen dafür noch einmal auf der Bühne zusammen. Aus den zuvor vorgestellten medizinischen Perspektiven entwickelte sich ein lebendiger Austausch über die Zusammenarbeit zwischen Hausarztpraxis, Krankenhaus und ambulanter Kardiologie. Auch das Publikum beteiligte sich mit Fragen und eigenen Erfahrungen.
Durch den Abend führte der aus Mechernich stammende Journalist Ronald Larmann. Mit seiner Moderation verband er die unterschiedlichen Fachperspektiven und gab der Diskussion den Rahmen, den sich die Veranstalter für ihren Ärztedialog wünschen: fachlich fundiert, zugleich offen und nah an den Herausforderungen des medizinischen Alltags.
Auch Frank Gummelt sieht gerade darin den besonderen Wert des Formats. „Natürlich sind die Fachvorträge wichtig. Aber mindestens genauso wertvoll ist, dass sich die Kolleginnen und Kollegen hier persönlich begegnen. Wenn ein Hausarzt den Klinikarzt kennt, wenn man miteinander spricht und gegenseitiges Verständnis entwickelt, dann erleichtert das die Zusammenarbeit im Alltag. Und genau davon profitieren letztlich unsere Patientinnen und Patienten.“
Für die Teilnahme konnten die Ärztinnen und Ärzte vier anerkannte Fortbildungspunkte erhalten. Die Veranstaltung war dank der Unterstützung regionaler Sponsoren und Kooperationspartner erneut kostenfrei.
Mehr als eine Fortbildung
Dass der Euskirchener Ärztedialog mehr sein möchte als ein klassischer Fortbildungsabend, zeigte sich nicht nur auf der Bühne, sondern auch in den zahlreichen persönlichen Gesprächen am Rande der Veranstaltung.
Bei Fingerfood und Getränken nutzten die Gäste die Gelegenheit, Gespräche fortzusetzen, alte Bekannte wiederzutreffen und neue Kontakte zu knüpfen. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte kamen mit Klinikvertretern ins Gespräch, erfahrene Mediziner tauschten sich mit dem medizinischen Nachwuchs aus.
Auch bei den Referenten hinterließ der Abend Eindruck. Prof. Dr. Carsten Zobel zeigte sich begeistert vom Veranstaltungsformat. Eine ärztliche Fortbildung in einem solchen Rahmen habe er bislang nur selten erlebt. Was in der Ideenfabrik auf die Beine gestellt worden sei, habe ihn beeindruckt. Ein solches Format unterstütze er gerne, so der Kardiologe.
Besonders bemerkenswert war jedoch eine Rückmeldung, die über die gelungene Organisation hinausging. Yücel Kendirlik, Arzt in Weiterbildung und bereits bei der ersten Auflage dabei, beobachtete eine Veränderung unter den Teilnehmenden. Auch der zweite Ärztedialog sei wieder ein voller Erfolg gewesen. Im Vergleich zur Premiere seien die Menschen spürbar offener geworden. Der persönliche Austausch habe zugenommen, ebenso die Beteiligung und die Wortmeldungen während der Podiumsdiskussion.
Aus einer Idee wird eine feste Größe
Dass der Euskirchener Ärztedialog keine einmalige Veranstaltung bleiben soll, stand für die Initiatoren bereits nach der Premiere fest. Nach der zweiten erfolgreichen Auflage ist der Blick nun endgültig nach vorne gerichtet.
„Unser Ziel ist es, langfristig eine feste Plattform für die Ärzteschaft unserer Region zu schaffen“, erklärt Gummelt. „Ein Ort, an dem sich Kolleginnen und Kollegen aus unterschiedlichen Fachrichtungen und Generationen regelmäßig begegnen. Wo man sich kennt, Erfahrungen austauscht und vielleicht auch einmal Dinge bespricht, für die im Praxis- oder Klinikalltag sonst einfach die Zeit fehlt.“
Der Ärztedialog solle dabei ausdrücklich kein starrer Veranstaltungsrahmen werden. Vielmehr möchten die Gastgeber die Inhalte gemeinsam mit den Teilnehmenden weiterentwickeln.
Welche medizinischen Themen beschäftigen die Region? Wo gibt es besonders wichtige Schnittstellen zwischen ambulanter und stationärer Versorgung? Und welche Fragen sollten künftig einmal gemeinsam auf einer Bühne diskutiert werden?
„Wir möchten nicht allein am Schreibtisch entscheiden, welche Themen für unsere Gäste interessant sein könnten“, sagt Schiffmann. „Wir wollen zuhören, Wünsche aufnehmen und das Format gemeinsam mit den Menschen gestalten, für die wir es ins Leben gerufen haben.“
Besonders persönlich wurde es zum Abschluss des Bühnenprogramms. In seinen Schlussworten nahm Alexander Schiffmann die Gäste noch einmal mit auf die Entstehungsreise des Euskirchener Ärztedialogs. Eine Geschichte, die auf bemerkenswerte Weise zur eigentlichen Botschaft der Veranstaltung passt.
Ihren Anfang nahm sie in Gesprächen mit Ärztinnen und Ärzten während eines Sanitätsdienstes. Der nächste Gesprächspartner war Frank Gummelt. Als Kreisverbandsarzt des DRK und Vorsitzender der KVNO-Kreisstelle Euskirchen brachte dieser ein weitreichendes Netzwerk in der regionalen Ärzteschaft mit und eigene Erfahrungen mit der Organisation ärztlicher Veranstaltungen.
Es folgten Gespräche mit den regionalen Krankenhäusern, mit möglichen Kooperationspartnern und schließlich mit Unternehmen und Unterstützern, die bereit waren, das neue Format mitzutragen. Mit jedem weiteren Gespräch nahm der Ärztedialog konkretere Formen an.
„Wenn ich heute auf die Entstehung zurückblicke, dann ist das eigentlich das beste Beispiel für das, was wir mit dieser Veranstaltung erreichen wollen“, sagt Schiffmann. „Der Ärztedialog ist aus Gesprächen entstanden. Aus dem Zuhören, dem Austausch unterschiedlicher Perspektiven und der Bereitschaft, gemeinsam etwas zu bewegen.“
Für Schiffmann steckt darin eine Botschaft, die weit über die Organisation einer Fortbildungsveranstaltung hinausgeht. „Ganz gleich, vor welcher Herausforderung wir stehen: Oft beginnt eine gute Lösung damit, dass Menschen wieder miteinander sprechen. Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass das auch für unsere Gesundheitsversorgung gilt.“
Fortsetzung bereits terminiert
Und deshalb soll der Dialog weitergehen. Der Termin für die dritte Auflage steht bereits fest: Am Mittwoch, 7. April 2027, wird der Euskirchener Ärztedialog erneut stattfinden. Welches medizinische Thema dann im Mittelpunkt stehen wird, soll auch mithilfe der Anregungen aus der regionalen Ärzteschaft entschieden werden.
Möglich wird das Format durch das Engagement zahlreicher Menschen im Hintergrund, die Unterstützung regionaler Unternehmen und die Zusammenarbeit mit Partnern aus dem Gesundheitswesen. Ihnen allen galt zum Abschluss der besondere Dank der Gastgeber. Vor allem aber würdigte Schiffmann sein Organisationsteam, das über viele Wochen hinweg an der Vorbereitung gearbeitet und den Veranstaltungsabend begleitet hatte.
Nach zwei erfolgreichen Veranstaltungen steht für Schiffmann und Gummelt jedenfalls fest: Die Region hat nicht nur einen neuen Fortbildungsabend gewonnen, sondern einen Treffpunkt, der sich dauerhaft etablieren soll.
Oder, um es mit dem inzwischen beinahe schon sprichwörtlichen Charakter der Veranstaltung zu sagen: Das nächste Klassentreffen der regionalen Ärzteschaft ist bereits geplant.
Weitere Informationen zum Euskirchener Ärztedialog und zur dritten Veranstaltung am 7. April 2027 gibt es unter: www.aerztedialog.eu
pp/Agentur ProfiPress






