· Euskirchen

Hundert Prozent Power gegen Rassismus

Gemeinsam gegen Rassismus: Vertreterinnen und Vertreter des DRK Euskirchen, der Kreisverwaltung, der Stadt Euskirchen, von anderen Wohlfahrtsverbänden, des Jobcenters, von EU-aktiv, des KreisSportBunds, von Vogelsang IP, der Stadtbibliothek, des Stadtmuseums sowie zivilgesellschaftlicher Initiativen. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress
Im Haus der Begegnung des DRK Euskirchen fanden die Beteiligten beim Auftakt der Internationalen Wochen gegen Rassismus schnell ins Gespräch. Foto: Kerstin Rottland/pp/Agentur ProfiPress

DRK Euskirchen lud zum Auftakt ins Café Henry – Die Internationalen Wochen gegen Rassismus bringen im Kreis Euskirchen 16 Partner mit 22 Veranstaltungen zusammen – Zwei Wochen für Menschenwürde, Austausch und Haltung

Kreis Euskirchen – Ein unbekannter Mensch, eine andere Sprache, eine ungewohnte Kultur – schon rattert es im Kopf. „Hab ich da nicht mal was Komisches drüber gehört?“ Hier ein bisschen Halbwissen, da ein wenig Hörensagen, fertig ist die Ablehnung. Das Traurige: Je näher man einander kommt, desto kleiner werden Vorurteile – eigentlich. Entzieht man ihnen den Nährboden aus Spekulation und Sorge, und ersetzt diesen durch echte Begegnungen und Wissen, haben sich vorgefasste Meinungen rasch erledigt. 

Umso wichtiger ist es, dass Treffen stattfinden, möglichst oft und immer wieder! Die Internationalen Wochen gegen Rassismus, die von Montag, 16., bis Sonntag, 29. März, im Kreis Euskirchen stattfinden möchten bald wieder möglichst viele solcher Begegnungen ermöglichen. 16 Kooperationspartner der Initiative: „Haltung zeigen: Wir im Kreis Euskirchen gegen Rassismus“ organisieren in dieser Zeit 22 Veranstaltungen, die Menschen miteinander ins Gespräch bringen und ein gemeinsames Zeichen gegen Rassismus setzen. Das bundesweite Motto lautet in diesem Jahr „100 % Menschenwürde – Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“.

„Rassismus beginnt oft leise, mit Worten, Blicken und Gedanken“, sagte DRK-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker am Donnerstagvormittag bei der Vorstellung des Programms im Mehrgenerationenhaus Euskirchen. „Jeder von uns kann dazu beitragen, dass sich das ändert.“

Menschenwürde als Kompass

Für Sabine Sistig, Integrationsbeauftragte des Kreises Euskirchen und Leiterin des Kommunalen Bildungs- und Integrationszentrums, steht dabei ein Grundsatz im Mittelpunkt: Artikel 1 des Grundgesetzes.

„Die Würde des Menschen ist unantastbar“, erinnerte sie. Gerade deshalb gehe es darum, Haltung zu zeigen – im Alltag ebenso wie im öffentlichen Diskurs. Für Menschenwürde einzutreten bedeute auch, Diskriminierung zu erkennen, Betroffene ernst zu nehmen und solidarisch zu handeln. „In diesem Sinne möchte ich auch im Namen von Landrat Markus Ramers alle Bürgerinnen und Bürger ermutigen, an mindestens einer dieser vielen tollen Veranstaltungen teilzunehmen!“ Sabine Sistig war in Vertretung des Landrates und Schirmherrn der IWgR für ein Grußwort vor Ort.

Wie subtil und alltäglich Rassismus sein kann, machte Janine Frackmann von der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit beim DRK deutlich. In ihrem Statement der Fachkräfte - das sie gemeinsam mit ihrer Kollegin in der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit Judith Raß und Leonie Stadler vom Kommunalen Integrationsmanagement vom Kreis Euskirchen erarbeitet hat -  schilderte sie beispielhaft Situationen, die viele Menschen mit Diskriminierungserfahrungen kennen: etwa, wenn bei einer Wohnungsbesichtigung plötzlich andere Interessenten bevorzugt werden oder Bewerbungen unbeantwortet bleiben, möglicherweise wegen des Namens oder der Hautfarbe.

„Rassismus und Diskriminierung sind keine Randphänomene“, betonte Janine Frackmann. Sie begegneten Menschen im Alltag, in Institutionen und in gesellschaftlichen Strukturen, manchmal offen, oft aber subtil oder scheinbar unbeabsichtigt. Entscheidend sei dabei nicht die Absicht, sondern die Wirkung: „Diskriminierung ist keine Frage der Absicht, sondern der Wirkung.“ Deshalb gehe es darum, diese Erfahrungen ernst zu nehmen, Betroffene zu stärken und Ungleichheiten sichtbar zu machen. 

Ausstellung und Wandprogramm als sichtbare Zeichen

Den Auftakt bildet eine Ausstellung im Mehrgenerationenhaus Euskirchen, die während der Aktionswochen im offenen Treff „Café Henry“ zu sehen ist. Illustrationen und Statements aus der Antidiskriminierungsarbeit, abgebildet auf zahlreichen bunten Plakaten, zeigen, wo Menschen im Alltag Diskriminierung erleben. Und was jeder Einzelne dagegen tun kann. Die Ausstellung lädt Besucherinnen und Besucher dazu ein, stehen zu bleiben, nachzudenken und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das funktionierte am Tag der Eröffnung schon mal hervorragend ... 

Die Veranstaltungen der Internationalen Wochen gegen Rassismus greifen das Thema aus ganz unterschiedlichen Perspektiven auf. In Workshops und Diskussionsrunden beschäftigen sich Fachleute und Teilnehmende mit der Rolle von Sprache, gesellschaftlichen Strukturen und persönlichen Erfahrungen im Umgang mit Diskriminierung. Dabei geht es nicht nur um Analyse, sondern auch um praktische Wege zu mehr Respekt und Teilhabe. Wie zum Bespiel bei der „Lebendigen Bibliothek“ des Caritasverbands Euskirchen e.V.. „Niklas Kappenstein erläuterte die Idee: „Am Mittwoch, 25. März, können Sie sich in der Stadtbibliothek lebendige Bücher ausleihen, sprich: Menschen, die aus unterschiedlichen Kulturen stammen und Ihnen gern ihre Geschichten erzählen werden.“   

Auch bei vielen weiteren künstlerischen Projekten und kreativen Aktionen setzen sich Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit dem Thema Menschenwürde auseinander. Kunst, Illustration und Gestaltung werden dabei zu Ausdrucksformen persönlicher Erfahrungen und zu einem Ausgangspunkt für Gespräche. Auch für Kinder ist einiges geboten, wie zum Beispiel die Lesung „Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“, die am Mittwoch, 25. März, den Blick auf schwarze Heldinnen und Helden in deutschen Kinderbüchern öffnen möchte. 

Auf Vogelsang IP findet am Donnerstag, 26. März nachmittags der Dialog und interkulturelle Kreativ-Workshop „Zusammen gegen Rassismus und Rechtsextremismus“ statt, zu dem insbesondere Jugendliche ab 14 Jahren willkommen sind. Gleiches gilt für die Veranstaltung „Demokratie unter Druck“ am Donnerstag, 19. März, die sich mit Radikalisierung im Netz via TikTok, YouTube und Instagram beschäftigt. (Anmeldung: info(at)vogelsang-ip(dot)de ) Hierzu wird eine Expertin von der Landesanstalt für Medien erwartet. 

Begegnung am Herd, Exkursionen und Filme

Ein besonders beliebtes Format ist stets der Kochabend „Kocht mit uns um die Welt“, bei dem internationale Gastköchinnen und Gastköche gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ihre Lieblingsgerichte zubereiten. Hier entwickeln sich spielend Gespräche über Herkunft, Traditionen und persönliche Geschichten – und oft auch neue Freundschaften. Diesmal findet der Kochabend am Donnerstag, 26. März, ab 17.30 Uhr, statt. (Anmeldung erforderlich unter https://beteiligung.nrw.de/k/1021040 )

Weitere Programmpunkte führen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf Exkursionen oder zu Filmvorführungen, bei denen Migration, Flucht und Integration aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet werden. Dokumentarische Filme und anschließende Gespräche geben Einblicke in persönliche Lebensgeschichten und laden dazu ein, Perspektiven zu wechseln. So nimmt etwa der bekannte Fotojournalist Lutz Jäkel die Gäste seiner neuen Live-Reportage am Sonntag, 22. März, im alten Casino mit nach Syrien, in „Ein Land im Umbruch“. (Anmeldung: tweber(at)drk-eu(dot)de oder roland.kuhlen(at)kreis-euskirchen(dot)de

Auch Vorträge und Gesprächsrunden mit Fachleuten aus Sozialarbeit, Bildung und Politik gehören zum Programm. Sie zeigen, wie Diskriminierung entsteht, welche Folgen sie haben kann und welche Möglichkeiten es gibt, ihr im Alltag und in Institutionen entgegenzutreten.

Breites Bündnis im Kreis Euskirchen

Dass die Aktionswochen inzwischen so umfangreich sind, liegt vor allem an der Zusammenarbeit vieler Partner. Neben dem DRK-Kreisverband beteiligen sich unter anderem der Kreis Euskirchen, die Stadt Euskirchen, andere Wohlfahrtsverbände, das Jobcenter EU-aktiv, der KreisSportBund, Vogelsang IP, die Stadtbibliothek, das Stadtmuseum sowie zivilgesellschaftliche Initiativen. 

Seit der Gründung der Initiative„Haltung zeigen: Wir im Kreis Euskirchen gegen Rassismus“ im Jahr 2022 wächst dieses Netzwerk stetig. Gemeinsam wollen die Beteiligten deutlich machen, dass Vielfalt und Respekt im Kreis Euskirchen aktiv gelebt werden.

Und vielleicht geschieht bei den Internationalen Wochen gegen Rassismus genau das, was Begegnungen so oft bewirken:
Dass Vorurteile kleiner werden. Und Menschen einander näherkommen. Denn, wie Dr. Jürgen Micksch, Vorstand der Stiftung gegen Rassismus sagt: „Menschen werden nicht als Rassistinnen oder Rassisten geboren. Sie suchen Frieden und Glück. Das finden sie in einer menschenfreundlichen Gesellschaft.“

Neugierig? Im Internet offenbart sich Interessierten das gesamte vielfältige Programm auf einen Blick unter www.drk-eu.de/iwgr .

pp/Agentur ProfiPress