Euskirchen – Siwan, Nazli und Joumana waren die Chefköchinnen auf der kulinarischen Reise in die syrischen und kurdischen Küchen. Beim Jubiläum des Projektes „Kocht mit uns um die Welt“ wurden zwischen Hackbällchen, Oliven-Dip und gefüllten Pfannkuchen über den Tellerrand hinweg neue Kontakte geknüpft. Fast 40 Personen jeden Alters aus rund zehn verschiedenen Herkunftsländern nahmen an der 25. Auflage des Kochprojektes des Kommunalen Integrationszentrums (KI) Kreis Euskirchen und der Integrationsagentur des Roten Kreuzes (DRK) im Kreis Euskirchen teil.
Seit vier Jahren wird in den Schulungsküchen des Thomas-Eßer-Berufskollegs regelmäßig gekocht. „Wir haben immer mehr Anmeldungen als Plätze“, erzählt Thomas Weber von der DRK-Integrationsagentur, der die Kochabende gemeinsam mit Roland Kuhlen vom KI begleitet. Eine einmalige Veranstaltung sollte „Kocht mit uns um die Welt“ ursprünglich werden. Daraus geworden ist eine beliebte Serie, in der rund alle zwei Monate in großer Runde gekocht wird – inzwischen schon zum 25. Mal.
Lieblingsspeisen aus der Heimat
Jedes Mal haben Gastköche und Gastköchinnen „die Kochmütze auf“ und stellen ein dreiteiliges Menü mit Lieblingsspeisen aus ihrer Heimat zum Nachkochen zusammen. „Das sind oft Gerichte, die sie schon mit ihrer Oma oder ihren Eltern gekocht haben, die sie an ihr Zuhause erinnern“, weiß Thomas Weber.
Damit es am Ende auch so schmeckt wie zu Hause, kommt es auf die richtigen Zutaten an – die den Teilnehmern von den Veranstaltern übrigens kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Thomas Weber: „Ich bin schon für Reis bis nach Düsseldorf und für die richtige Sorte Kochbananen bis nach Aachen gefahren. Eine Oma hat uns sogar ein Paket mit Gewürzen aus Guinea geschickt, weil es die hier nicht zu kaufen gibt.“
Beim Jubiläum gab es zum Auftakt Zaytoun, einen Dip aus grünen und schwarzen Oliven, gereicht zu arabischem Brot. Als Hauptgericht wurde „Lahme bi Karaz“ gekocht: Hackbällchen in einer Sauerkirschsoße mit Cashewkernen und Granatapfel. Zum Nachtisch wurden schließlich Pfannkuchen frittiert und mit einer Füllung aus Walnüssen und Sirup serviert.
Ein bisschen Chaos, aber immer lecker
Die Herausforderung: Gekocht wird in bunt gemischten Gruppen von Teilnehmern aus unterschiedlichen Herkunftsländern – ohne Rezept. Die Gastköchinnen zeigen wie es geht und leiten an – sie dürfen aber nicht selber kochen. Thomas Weber: „Es läuft viel über Gestik und es ist immer ein bisschen Chaos und babylonische Sprachverwirrung drin. Bei uns ist es immer sehr laut, es wird viel gemacht und am Ende schmeckt es immer lecker.“
Ziel des Kochprojektes ist es, einen ungezwungenen Rahmen für Begegnungen und Kontakte zu schaffen. „Jeder kocht anders, so wie er oder sie es für richtig hält. Aber hier geht es darum, die eigenen Ideen zurückzustellen und sich darauf einzulassen, etwas völlig Neues zu machen. Die Zutaten, ihre Kombination, die Art der Zubereitung – das alles erscheint uns in anderen Ländern oft fremd, aber wenn wir es ausprobieren, schmeckt es meistens trotzdem“, verspricht Thomas Weber.
Auch er hat wieder etwas Neues gelernt: Um Walnüsse zu knacken, braucht es keinen Nussknacker. Viele der Teilnehmer knackten die Nüsse ganz selbstverständlich mit den Händen, eine typische Technik in den arabischen und orientalischen Ländern. Selbst acht Kilo Walnüsse für den Nachtisch wurden so ratzfatz von den Schalen befreit.
Kulinarische Weltreise
Rund drei Stunden dauert eine Koch-Challenge. In dieser Zeit finden die Teilnehmer in ihren gemischten Gruppen ihre eigene Art der Kommunikation. Am Ende wird gemeinsam gegessen, bei den anderen Gruppen probiert, gelobt, diskutiert, mit Händen und Füßen, in allen Sprachen.
Im Verlauf des Projektes sind die Kochabende eine echte kulinarische Weltreise geworden. Bisherige Ziele waren China, Georgien, Bangladesch, Saudi-Arabien, Nigeria, Libanon, Guinea, Eritrea, Albanien, Türkei, Tansania, Senegal, Burundi, Afghanistan, Syrien, die Levante, Iran, Algerien, Ägypten, Deutschland und die Ukraine. Thomas Weber: „Wir würden auch gerne einmal nach Südamerika reisen. Wer dazu gerne einmal Gastkoch bei uns sein möchte, kann sich melden unter Telefon 02251/107921 oder per E-Mail an tweber(at)drk-eu(dot)de.
pp/Agentur ProfiPress


