Euskirchen – Ein Summen wie in einem Bienenstock empfing die Besucher in der Fahrzeughalle des Roten Kreuzes im Kreis Euskirchen. Immerhin waren dort rund 300 Rotkreuzler zusammengekommen. „In der Region gibt es wohl kaum einen anderen Arbeitgeber, der so viele Mitarbeitende zur Betriebsversammlung begrüßen kann“, freute sich DRK-Kreisgeschäftsführer Rolf Klöcker über die große Resonanz.
Für die Rotkreuz-Beschäftigten hatte er ein besonderes Papier im Gepäck: Einen Tag vor der Betriebsversammlung hatten Rolf Klöcker, die Betriebsratsvorsitzende Sabine Eschweiler und die Schwerbehinderten-Beauftragte Hildegard Fellbach-Vogt die erste Inklusionsvereinbarung des Kreisverbandes unterzeichnet. „Sie ist ein maßgeschneidertes Regelwerk mit dem Ziel, Krankheiten vorzubeugen und eine individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes zu ermöglichen“, erklärte Hildegard Fellbach-Vogt. Sie brachte es auf den Punkt: „Diversität ist, wenn man eingeladen wird. Inklusion ist, wenn man mittanzen darf.“
Zahlen, Daten Fakten
Zu Beginn der Versammlung fasste Rolf Klöcker einige „Zahlen, Daten, Fakten“ zusammen: 1.224 ehrenamtliche Mitarbeitende, 1.121 haupt- und nebenamtliche Mitarbeitende, 329 Mitglieder beim Jugendrotkreuz, elf Ortsvereine, ein Kreisverband. Nicht ganz so beeindruckend wie die Zahl derjenigen, die sich für das Rote Kreuz im Kreis Euskirchen engagieren, seien allerdings die Umsatzzahlen des vergangenen Jahres gewesen. Rolf Klöcker: „In den vergangenen zehn Jahren konnten wir jedes Mal eine Steigerung des Umsatzes verzeichnen. Es war klar, dass das nicht immer so weiter gehen konnte – und das war dann leider 2025 der Fall.“
Bei einem Gesamtumsatz von knapp 50 Millionen Euro habe man insgesamt 664.748 Euro Verlust gemacht. Auch in diesem Jahr werde man voraussichtlich mit einem Minus von etwa einer Million Euro rechnen müssen. Ziel sei es aber, spätestens im übernächsten Jahr wieder im Plus zu sein. Dies unterstrich auch der Rotkreuz-Kreisvorsitzende Karl-Werner Zimmermann: „Ich bin guten Mutes, dass wir bald wieder schwarze Zahlen schreiben werden.“
Gründe für das Minus seien zum einen der Wegfall der Notunterkunft in Marmagen seit Mai 2025, zum anderen aber auch ein gewisser Personalüberhang in den Kindertagesstätten. Rolf Klöcker: „Wir sind uns bewusst, dass wir uns in der Kinderbetreuung nicht allein an den Richtwerten des KiBiz (Anm. d. Red.: Kinderbildungsgesetz), sondern auch am individuellen Bedarf orientieren müssen. Aber in den Kitas, in denen wir aktuell fünf bis sechs Vollzeitstellen mehr als vorgegeben haben, können wir unseren finanziellen Aufwand auf Dauer nicht mehr refinanzieren.“
Rückblick
Mit Blick auf das Personal resümierte Sabine Eschweiler, Vorsitzende des Betriebsrats, für das Jahr 2025 insgesamt 146 Neueinstellungen sowie 73 beendete Arbeitsverhältnisse durch Aufhebungsvertrag oder Kündigung. Zusammen mit Rolf Klöcker blickte sie auf ein Jahr mit zahlreichen Jubiläen zurück. So sind seit der Eröffnung der Zentralen Unterbringungseinheit (ZUE) in Euskirchen mit dem Eintreffen der ersten Flüchtlinge im Jahr 2015 inzwischen zehn Jahre vergangen. Der soziale Kleiderladen des Roten Kreuzes feierte im vergangenen Jahr bereits sein 25-jähriges Bestehen. Geburtstag feierten außerdem mehrere Rotkreuz-Kitas: die Kita „Sonnenblume“ in Weilerswist wurde 50 Jahre alt, die Kita „Spatzennest“ in Weilerswist-Groß-Vernich und die Kita „Kastanienlaube“ in Blankenheim-Ripsdorf wurden jeweils 30 Jahre alt.
Zum ersten Mal hatte 2025 der Euskirchener Ärztedialog stattgefunden, bei dem mehr als 100 Ärzte zu einem Netzwerktreffen zusammengekommen waren. Die erfolgreiche Veranstaltung findet am Mittwoch, 14. Oktober, zum zweiten Mal statt. Erfolgreich zeigte sich das Rote Kreuz auch beim Social Entrepreneur Award des Kreises Euskirchen. Mit diesem Preis werden Unternehmen ausgezeichnet, die wirtschaftlichen Erfolg mit sozialem Engagement und Nachhaltigkeit verbinden. „Mit dem zweiten Platz haben wir hier hervorragend abgeschnitten“, freute sich Rolf Klöcker.
In den vergangenen zwölf Monaten war auch Zeit für Neues: Das Rotkreuz-Zentrum in Blankenheim wurde eröffnet, Henrys Eltern-Kind-Kompetenzzentrum in Weilerswist bekam ein neues Zuhause und der Neubau des DRK-Familienzentrums Gemünd konnte endlich eingeweiht werden. „Zum neuen Schuljahr wurde außerdem das Angebot unserer Offenen Ganztagsschulen erweitert, da seitdem der gesetzliche Rechtsanspruch gilt“, so Sabine Eschweiler. Traurig blickte man allerdings auf die Schließung der DRK-Kita Effelsberg, die aufgrund von zu wenig Nachwuchs ihre Türen schließen musste.
Ausblick
Für das kommende Jahr haben die Rotkreuzler bereits einiges auf ihrer Agenda stehen. Im Fokus steht der abschließende Zyklus des Projekts „#ZukunftMachen“. Projektleiter Boris Brandhoff stellte die Ergebnisse aus den Bereichen Nachhaltigkeit, gute Arbeitsbedingungen, Wissensmanagement und Kommunikation sowie Führungs- und Konfliktkultur vor. Dazu gehören etwa die Entwicklung eines Nachhaltigkeitskonzeptes oder die Bereitstellung von Corporate Benefits (freiwillige Zusatzleistungen des Arbeitsgebers) wie etwa dem bereits viel genutzten Fahrradleasing oder der Kooperation mit dem Urban Sports Club.
Für Gesprächsstoff sorgte aber vor allem der bevorstehende Launch der Rotkreuz-App, die im Rahmen der Betriebsversammlung vom stellvertretenden Geschäftsführer Ralf Krutwig vorgestellt wurde. Diese soll einerseits die interne Kommunikation erleichtern, andererseits aber auch das Wissen innerhalb des Kreisverbandes bündeln. „Mit der Rotkreuz-App kann man künftig das für die eigene Arbeit relevante Wissen in der Hosentasche dabeihaben“, so Boris Brandhoff.
Während „#ZukunftMachen“ in die letzte Runde geht, steht das nächste Projekt schon in den Startlöchern. Unter dem Titel „Freiraum Menschlichkeit“ gehe es darum, künstliche Intelligenz (KI) auf sinnvolle Art und Weise in die Arbeitspraxis zu integrieren. Ziel sei es, mit der KI ein effizienteres Arbeiten – beispielsweise im Bereich der Dokumentation – zu ermöglichen, um somit mehr Freiraum für die Arbeit mit den Menschen zu haben. So wolle man sich die Technik zunutze machen, um dem eigenen Anspruch an Menschlichkeit gerecht zu werden.
pp/Agentur ProfiPress





