Kreis Euskirchen – Bunte Armbänder entstanden an den Basteltischen, kunstvolle Tattoos schmückten Hände und Arme, dazu gab es leckeres Essen und kühle Getränke: Beim alljährlichen Sommerfest des Teams Migration / Integration des DRK-Kreisverbandes Euskirchen spielte sogar die Sonne mit. Vor allem aber bot das Fest, was für die tägliche Arbeit des Teams unverzichtbar ist: Zeit für Begegnungen und einen guten Austausch.
Mitarbeiter, Klienten und Kooperationspartner kamen in entspannter Atmosphäre miteinander ins Gespräch. Vertreter aus Kreis und Kommunen, von Sozialämtern, Jobcenter und anderen Wohlfahrtsverbänden nutzten die Gelegenheit, Kontakte zu pflegen und Erfahrungen auszutauschen. Denn hinter jedem Beratungsfall stehen nicht nur Formulare und Vorschriften, sondern Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Fragen und Zukunftsplänen.
Einen Schwerpunkt des Sommerfestes bildete deshalb die Beratungsarbeit des Teams. Teamleiter Boris Brandhoff beschrieb das breite Angebot mit einem ebenso anschaulichen wie treffenden Begriff: „Man könnte fast sagen, wir sind ein Vollsortimenter im Beratungsbereich.“ Was für die Menschen in den Städten und Gemeinden des Kreises relevant sei, habe das Rote Kreuz nach Möglichkeit im Programm.
386 Veranstaltungen
Das Spektrum reicht von der Migrationsberatung und der Regionalen Beratung für Geflüchtete über das Kommunale Integrationsmanagement sowie die Ausreise- und Perspektivberatung bis zum DRK-Suchdienst, den das Euskirchener Team auch für den Rhein-Erft-Kreis übernimmt. Hinzu kommt die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, die neben ihrer Projektarbeit ebenfalls berät. Zum Team Migration / Integration gehören darüber hinaus unter anderem die Integrationsagentur und das Mehrgenerationenhaus.
Wie stark die Angebote genutzt werden, zeigen die Zahlen, die Brandhoff für das Jahr 2025 vorlegte: Über alle Sparten der Beratungsarbeit hinweg führte das Team 5.756 Beratungsgespräche. Hinzu kamen in den Integrationsprojekten – dazu zählen unter anderem die Integrationsagentur, die Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit und das Mehrgenerationenhaus – insgesamt 386 Veranstaltungen mit 6.066 Teilnehmenden.
Die Anliegen, mit denen Menschen die Beratung aufsuchen, sind vielfältig. Sie reichen von der Unterstützung bei einem Antrag beim Jobcenter bis zu komplexen Fragen des Asyl- und Aufenthaltsrechts. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage, wie gesellschaftliche, soziale und berufliche Teilhabe gelingen kann. „Wir beraten nicht nur, sondern übernehmen auch eine wichtige Schnittstellenfunktion zwischen Behörden und Ratsuchenden“, erklärte Monika Schwingeler, Koordinatorin der Beratungsarbeit im Team Migration / Integration.
Eine entscheidende Rolle spielt die Nähe zu den Ratsuchenden. „Der Kreis Euskirchen ist ein Flächenkreis mit eingeschränktem öffentlichen Nahverkehr. Wir arbeiten mit Menschen, die ganz unterschiedliche Integrationshemmnisse haben. Deshalb müssen wir zu den Menschen“, so Schwingeler. Aus diesem Anspruch heraus hat das DRK seine dezentrale Präsenz in den vergangenen Jahren stetig ausgebaut.
Sieben von elf Kommunen
Inzwischen gibt es in sieben der elf Kommunen des Kreises regelmäßige Beratungsangebote, unter anderem in Euskirchen, Mechernich, Zülpich, Kall, Nettersheim und Hellenthal. Meist finden die Sprechstunden wöchentlich statt, bei geringerem Bedarf monatlich. In Euskirchen ist das Team zudem von Montag bis Freitag mit Terminsprechstunden erreichbar.
Das Prinzip vor Ort ist bewusst niedrigschwellig: In offenen Sprechstunden können Menschen zunächst ohne Termin mit ihrem Anliegen vorbeikommen. Was sich unmittelbar klären lässt, wird möglichst sofort erledigt. Bei komplexeren Fragen vereinbart das Team einen Folgetermin oder vermittelt an spezialisierte Kolleginnen und Kollegen. So verbindet die Sprechstunde konkrete Hilfe mit einer Lotsenfunktion, ohne die Ratsuchenden von Stelle zu Stelle zu schicken.
Wie groß der Bedarf ist, erlebt Schwingeler auch selbst regelmäßig. Obwohl sie die Beratungsarbeit koordiniert, übernimmt sie weiterhin offene Sprechstunden. In Kall säßen innerhalb von drei Stunden mitunter zehn Menschen mit völlig unterschiedlichen Anliegen vor ihr. Gerade solche Erfahrungen seien wichtig, um Themen, Belastungen und Veränderungen aus der Praxis im Blick zu behalten.
Dabei kann Beratung nur dann gut funktionieren, wenn auch die Wege zu Behörden und weiteren Hilfen stimmen. „Wir sind nur so gut wie das Netzwerk, mit dem wir arbeiten“, betonte Schwingeler. Der enge Austausch mit den Kommunen, den Sozialämtern, dem Jobcenter und weiteren Fachstellen gehöre deshalb ebenso zur Arbeit wie das unmittelbare Gespräch mit den Ratsuchenden.
Beim Sommerfest wurde dieses Netzwerk einmal nicht am Besprechungstisch, sondern bei Essen, Getränken, Tattoos und gemeinsam gebastelten Armbändern gepflegt. Ein schöner Nachmittag in der Sonne – und zugleich ein sichtbares Zeichen dafür, worauf es dem Team Migration / Integration ankommt: Menschen zusammenzubringen, Vertrauen zu schaffen und Hilfe dort anzubieten, wo sie gebraucht wird.
pp/Agentur ProfiPress



